Selbstbewässernde Pflanzkisten…

Daniel Düsentrieb wäre stolz auf uns !

Aber wir haben diese geniale Konstruktion gar nicht erfunden.
Angeblich war das ein vom ständigen Gießen genervter Tomatenfarmer aus den USA – dem trotzdem ständig seine Pflanzen vertrockneten… oder wahlweise vom Starkregen ertränkt wurden.

Blake Whisenant, so heisst der pfiffige Kistenlandwirt, ist auch wirklich so alt, dass wir ihm abnehmen, das er der allererste Mensch war, der sich das ausdachte. Hier erklärt er selber, wie seine mittlerweile ausgefeilte Erfindung funktioniert.

Für uns ist das sogar etwas zu viel Hochleistungs-Anbau.
Wir wollen ja nur, dass unsere Pflanzen eine ausgewogene Bewässerung bekommen. Sie können so nicht nur unseren 3 wöchigen Sommerurlaub überstehen – für viele Pflanzen (Melonen, Gurken, Tomaten,…) ist eine dauerhafte, gleichmässige Wasserversorgung einfach Pflicht!
Wir haben also eine ganz einfache Selbstbau Variante für diese Pflanzkisten ausprobiert.

Und bisher funktioniert sie wunderbar!

Hier die einfachen Schritte bis zur „Selbstbewässernden Pflanzkiste“:

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Die benötigten Teile sind:
  • Kunststoffkiste (ohne Löcher, bitte!)
  • PET Flaschen
  • Ein Stück Kunststoffrohr
  • Akkubohrer mit 2 Bohrern (wir nehmen gerne 5 mm und 8 mm)
  • Und: 2 Streifen aus Karton, um die Öffnungen der Handgriffe zu verschliessen

Das ist doch keine Zauberei, oder ?

Aber erstaunlich ist es ja schon. Da schüttet man Wasser durch ein Rohr in den Boden und irgendwann kommt es wieder oben an der Oberfläche (bei den Pflanzen) heraus.
Bis zu welcher Höhe funktioniert das eigentlich ?

Ja – die Füllhöhe der Kisten ist da eine wichtige Sache. Wir haben ein paar 12 cm hohe Boxen, die sind ständig triefend nass und bilden oft Moos an der Oberfläche.  Bei den 18 cm hohen Kisten ist die Oberfläche nass, solange viel Wasser im Reservoir ist.

Bei unseren 32 cm hohen Pflanzkisten bleibt die Oberfläche trocken, auch wenn das Reservoir randvoll gefüllt ist. Darunter aber (nach ca. 1-2 cm) wird es schön angenehm feucht. So gefällt uns das am Besten !

Hier hat Unkraut keine Chance !

Es findet einfach keinen Halt auf der trockenen Oberfläche.

Zu unserem Saatgut sind wir natürlich etwas netter: wir gießen es an. Das muss gar nicht bis zum Aufkeimen sein, denn sobald Wasser von oben auf die Feuchtigkeit unten trifft, bildet sich ein länger anhaltender Feuchtigkeitsstrom, auch von unten nach oben, aus.

Also: um 30 cm liegt so etwa die Obergrenze für diese Bewässerungsart.

Wo muss ich denn das Loch für den Überlauf bohren ?

Erfahrungsgemäß ist es ein gutes Verhältnis, wenn man für das Wasserreservoir 1/5 der gesamten Kistenhöhe vorsieht – das hält dann bei uns 1-3 Wochen (je nach Pflanzen und Wetter).

Warum legen wir Flaschen in den Boden ?

Klar, man kann auch in einen Erdkübel Wasser hineinkippen und eine Schlammpfütze fabrizieren. Aber das ist für die meisten Pflanzen überhaupt nicht gut. Man soll es ja nicht glauben, aber Pflanzen brauchen auch an den Wurzeln Sauerstoff. Unter Wasser ertrinken sie buchstäblich.

Die Flaschen (oder andere Hohlkörper) sind daher ein Trick: sie sorgen dafür, dass die nach unten wachsenden Wurzeln auf einen mit Luft gefüllten Hohlraum stoßen! Das führt zur Veränderung des Wurzelwachstums und sorgt auch für die Durchlüftung.

Wichtig ist dabei, dass die Flaschen nicht ganz mit Wasser vollaufen – das heisst, die Überlauföffnung des Reservoirs legen wir immer so etwas über die Flaschnmitte.

Zwischen den eingelegten Flaschen ist doch viel Platz – wie viel soll das sein?

Der Zwischenraum ziwschen den Flaschen ist für das Aufsteigen des Wassers aus dem Reservoir wichtig. Man sagt, dafür sollten zwischen 5 und 10 % der Behältergrundfläche zur Verfügung stehen. Dann sollte eine gute Feuchte im Container gehalten werden können.

Gibt es denn noch Andere, die so etwas nutzen ?

Ja, natürlich – Tausende nutzen das !

Es ist hier nur seltsamerweise noch nicht so verbreitet. In Berlin gibt es die Initiative „Begrünung in Modulen“ und den „Growtainer Verein„.
Aber so richtig hat sich das System bereits in Nordamerika herumgesprochen. Hier, von einem Dach in Montreal, kam der Anstoß für uns, das auch einmal auszuprobieren. Und hier gibt es ein paar Einblicke in weitere verschiedene Bauarten.

Am besten – selber ausprobieren. Und dann bitte schön erzählen, wie gut es funktioniert. Und natürlich auch nachfragen, wenn irgend etwas nicht klar ist.

Comments
10 Responses to “Selbstbewässernde Pflanzkisten…”
  1. WuppApfel sagt:

    Hi,
    prima Artikel. Sehr nützlich!
    Gibt es irgendeine Gemüseart, für die diese Bauweise nicht empfehlenswert ist? Und gibt es eine Möglichkeit, solche Kisten als Recycleware zu erstehen oder kommt da nur Neukauf in Frage?
    Liebe Grüße, vielen Dank und viel Erfolg!
    Karin

    • Danke für das kleine Lob, Wuppapfel!
      Sagen wir mal so: viele Gemüsearten wachsen darin besonders gut, weil es bei Sonnenschein richtig warm darin wird.

      Salat aber mag das ja eigentlich nicht so…
      Kannst Du aber lösen, in dem Du für die Kiste einen Platz im Schatten vorsiehst.

      Vor allem wichtig: die richtige Kistengröße passend zum Gemüse wählen !
      Salat wächst auch im Tetra-Pak, Ein Kürbis möchte aber eine 60 Liter Kiste…

      Vielleicht sind Knoblauch oder Steckzwiebeln nicht begeistert von der Dauerfeuchte. Und für Kartoffeln muss es ja gar nicht so aufwändig sein.

      Jedenfalls kannst Du alles als Behälter nehmen, was dir gefällt – es sollte nur Lebensmittelecht (kein Weich-PVC Mörtelkübel!), UV-beständig (keine Billigkisten), wasserdicht und Lichtundurchlässig sein.

      Bei der letzten „Auswärts-Begrünung“ der SchwarmFarm keimte die Idee, in den Schubladen einer alten Kommode vom Sperrmüll auf diese Weise Gemüse anzubauen…

      Sag Bescheid, wenn Du auch eine kreative Pflanzkiste gebastelt hast !
      Und natürlich auch, wenn etwas nicht funktioniert !!

      • WuppApfel sagt:

        Na super, dann habe ich meinen ersten Fehler schon gemacht (Speiswanne). Aber danke für die sehr ausführliche Antwort. Das hilft. :)
        Liebe Grüße nach KA

      • Grünliebe sagt:

        Hallo, hier ist die „letzte Auswärts-Begrünung“!

        Um die Idee, Kommoden vom Sperrmüll einzusetzen, umsetzen zu können, wäre ein Fahrzeug notwendig. Ob man sich da zusammen tun könnte?
        Vielleicht ließe sich ja auch Holz finden, aus dem man etwas basteln könnte …

        Eine weitere Idee wäre, Körbe mit Folie (UV-beständig und lebensmittelecht) auszukleiden.
        Dabei habe ich das Problem, den Wasserüberlauf dicht zu bekommen. Im Moment ist das ein abgesägter Nageldübel, durch die Folie und das Weidengeflecht durchgepresst.

        Gisela

      • Hallo auf den (hoffentlich) sonnigen Balkon in KA !

        Das SchwarmFarmobil war bis gestern mit 180 Litern Kompost gefüllt und ist ab heute dann mit mir quer durch Europa unterwegs.
        Eine Kommode passt da glaube ich nicht mehr rein.

        In Leipzig steht übrigens seit gestern Abend so ein Prachtstück mitten auf der Strasse. Fertig bepflanzt !
        Foto von Thorben, einem der Stadtpflanzer aus Leipzig

        Zum Wasserüberlauf in Folie:
        Baumarkt, Gartenschlauchabteilung. Da gibt es eine große Auswahl an Kupplungen, Übergangsstücken und Durchleitungen. Da lässt sich bestimmt etwas zusammentüfteln.
        Aber: reicht da nicht einfach ein Loch ? Wenn´s darum geht, das Einreissen der Folie zu verhindern, kann man auch einfach eine Schlagöse einsetzen.

        Viel Erfolg beim Pflänzchen setzen !
        (mit frostempfindlichem aber noch bis Donnerstag warten ! Da wird´s in KA in der Frühe noch mal frostig !)

  2. Grünliebe sagt:

    Hallo,
    die abgesägten Nageldübel habe ich mit nem Stückchen Fahrradschlauch abgedichtet.

    Und weil ich keine Nageldübel mehr hatte, bnin ich auf so weiße Plastikteile gestoßen, die vom Einbau der Küchenoberschränke übriggeblieben sind: siehe http://german.alibaba.com/product-gs/furniture-cabinet-screw-connector-501323689.html. Habe das Teil durchbohrt, so dass eine Röhre darausgeworden ist. Und das Wasser findet seinen Weg.

    LG aus KA!

  3. Grünliebe sagt:

    Hallo,
    mich interessieren auch Erfahrungen, die Pflanzkistenbetreiber mit Substraten gemacht haben. Bei der Verwendung von Kompost und Perlite sind neben den Mangoldpflänzchen auf einmal Pilze (von der unerwünschten Sorte) erschienen. Und Kompost, der eine Weile auf die Fertigstellung neuer Pflanzgefäße warten musste, hat einen dünnen, weissen (Schimmel-?) Belag bekommen. Jetzt frage ich mich, ob die Gefahr von Pilz- und Schimmelbildung bei Kompost größer ist als bei z.B. Kübelerde? Und ob sie bei den Growtainern, bei denen ja die Oberfläche mit Folie bedeckt ist, größer oder kleiner ist?
    LG

    • Pilze ? Nun, das ist ganz prima so !
      Denn das zeigt, dass das Substrat wirklich lebt.
      Es besteht ja nicht nur aus Pilzen – auch Milliarden von Lebewesen finden sich darin.
      Also bitte nicht erschrecken, wenn nun auch noch irgend etwas aus dem Boden krabbelt…

      Es gibt natürlich Pflänzchen, die kommen im jungen Stadium nicht mit so viel Trubel um sie herum klar.
      Die sollte man dann erst mal vorziehen, bevor man sie in dieses Biotop einsetzt.

      (Dafür sind übrigens die überreichten Kokos Pellets da.
      Man kann auch sterile Anzuchterde verwenden, oder eine Hand voll Substrat in der Mikrowelle sterilisieren.)

      Aber sobald die Pflanzen größer werden, brauchen sie mehr Nährstoffe.
      Und die bekommen sie nur, wenn irgendjemand das Substrat für sie vorkaut. Und das machen Pilze und Tierzeugs !

      Mangold hat jedenfalls nichts dagegen, wenn neben ihm mal eben ein Pilzkopf hervorblinzelt.

      In der Anfangszeit war ich auch entsetzt, als plötzlich „gefährliche“ Pilze aus dem Boden kamen – ich habe auch einen tollen Weg gefunden, sie zu bekämpfen: einfach nicht mehr gießen !
      Das ist sehr effektiv – in den Kisten vertrocknet dann einfach alles ;-) Ja, es war auch nichts mehr zum Ernten da. Aber die Pilze waren weg… Hurra !

      Irgendwann stolpert man dann aber darüber, dass viele Leute extra die Wurzeln ihrer Pflänzchen vor dem Setzen mit Pilzen bestäuben, damit sie besser wachsen.

      Und ganz Pfiffige Leute verkaufen Kaffeesatz, in dem sich Pilze breit gemacht haben, als Super Bodenzusatz ! … und werden damit erfolgreiche Unternehmer:
      http://store.backtotheroots.com/product_p/soil%20amendment.htm
      Ja – auch dieser Teil der Story ist wahr !

      Also: keine Pilzbekämpfung mehr, sondern gut pflegen !
      Viel Erfolg !

      • Grünliebe sagt:

        Vielen Dank für die verständnisvolle Reaktion!

        Zu dem „schimmelbelag“ sagte der freundliche Mitarbeiter der Kompostausgabe, dass es normal sei, dass sich Stickstoff und Ammoniak auf dem kompost absetzen können; ich brauche mich keine Sorgen zu machen.

        Jetzt bin ich total erleichtert, weil ich nicht die ganze Arbeit umsonst war und ich nicht die vielen Kilos Substrat wieder die 4 Etagen runtertragen muss.

        Danke!

        Habe heute tief in die Tasche gegriffen und das „Handbuch Bio-Balkongarten“ besorgt.
        Herzliche Grüße vom Balkon!

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